Zwischenraum
Eine Straße ist der einzige Ort, an dem tausend Biografien gleichzeitig stattfinden und keine von ihnen voneinander weiß. Ich fotografiere genau dort: im Zwischenraum, in dem Menschen einander streifen, ohne sich zu begegnen.
Ein Bild entsteht nicht in dem Moment, in dem ich auslöse, sondern in dem ich entscheide, dass dieser Bruchteil einer Sekunde Bedeutung trägt. Die Kamera dokumentiert nicht – sie behauptet. Sie erklärt etwas für wichtig, das sonst niemand bemerkt hätte.
Schwarzweiß ist für mich kein Stil, sondern ein Verzicht. Ohne Farbe verliert eine Szene ihre Beschriftung: keine Marke, keine Jahreszeit, kein Ort. Was übrig bleibt, ist Struktur – Licht, Abstand, Haltung. Erst dann sehe ich, was tatsächlich passiert.









